Computerkunst -
Computergrafiken von Georgus
Als
Computerkunst
gelten Projekte der statischen und dynamischen Computergrafik, des computergestützten Entwurfs, der Datenvisualisierung, der computergestützten Komposition und Musikperformance, der algorithmischen Dichtung und der rechnerkontrollierten Installation.
Diese Computergrafiken von Georgus sind von anderer Art.
Dieser Künstler bleibt auch am Rechner ein MALER, seine hier
vorgestellten Computergrafiken sind nicht mit Hilfe eines
Computerprogramms generiert, sondern sind in Paintprogrammen erzeugte
Hand-Zeichnungen bzw Hand-Malereien. Georgus führt hier die Mouse oder den Paint-Stick mit der Souveränität, mit der er in der Malerei mit Pinsel, Bürste, Besen, Schwamm und Wischlappen agiert.
Der Künstler etabliert unter dem Eindruck von Computertechnik und Kybernetik einen Diskurs zur computergestützten Kreation von Bildern, menschlichen Wahrnehmung und zu den Beziehungen zwischen Wissenschaft und Kunst, Technik und Gesellschaft.
Dieses experimentieren mit der Verschmelzung von Malerei und Technik führt nicht nur zu neuen medialen Ausdrucksformen, sondern auch zu einer neuen Form des Sehens.
Als ich zum ersten Mal diese Bilder von einer mir unbekannten Art betrachte, so war der erste Eindruck der einer Ansammlung von Abfällen verschiedener Sorten von verrottetem
und aufpoliertem Gemüse. Der Anblick löste Empfindungen zwischen Kapitulation und Ergriffenheit.
Dann, bei der Wiederholung der Betrachtung und besonders bei der mehrfachen Beobachtung unter unterschiedlichen Bedingungen, drängen sich Elemente auf, deren Benennung zum Ausgangspunkt einer sprachlichen Erfassung der Situation wird.
Der so beschriebene Prozess von der Beobachtung zu einer Beschreibung
des Wahrgenommenen lässt sich auf die Wirkung dieser "malerischen"
Computergrafiken übertragen.
Damit diese als Erkenntnismittel dienen können, muss auch in ihnen das Exemplarische und Gesetzmäßige wahrgenommen werden.
Dies geschieht durch vergleichendes Sehen. Dass die Form also nicht unmittelbar ganz erfasst werden kann, weil sie in einer größeren ästhetisch-kulturellen Sehtradition steht, wird hier durch die eingesetzten, untypischen Mittel und Bildinhalte deutlich.
Bildbetrachtung ist tatsächlich dem Lesen eines Textes verwandter als dem Messen und Experimentieren in der Physik, und die Theorien, die dabei entstehen, sind Deutungen, geisteswissenschaftliche Konstruktionen, semiologische Bestandaufnahmen.
Was man alles in diesen am Computer erzeugten Bilder erkennt, ist erstaunlich ähnlich dem, was in der Malerei dieses Künstlers aus Hannover mit Hilfe völlig anderer Materialien zutage tritt.
Diese Bilder scheinen in den unendlich ausdeutbaren Formen natürlicher
Gebilde die Urstoffe aller Kunst, die Substanz - trotz der
Artfremdheit - der Malerei.
Die Gebilde der Sphären der Natur wie der Kunst, sind auf verwandte
Weise zu deuten. Wenn Naturformen als ,Bilder' nach ähnlichen
Wahrnehmungsprozessen erkannt und interpretiert werden, wie sie
Kunstwerke auslösen, dann hat dies die weitere Konsequenz, dass Bilder
die durch sie repräsentierte Realität nicht allein bezeugen, sondern
mitbestimmen. Dass Bilder in den Wissensformationen gleichsam voller
Eigensinn hausen, zeigt sich besonders dort, wo scheinbare ,Fehler'
auf gezielte Eingriffe hinweisen. Und darum geht es in der Kunst von
Georgus, in der Malerei sowie auch in diesen Computergrafiken. Dieser
Künstler will nicht rechnen oder kalkulieren - er will
eingreifen, setzen, formulieren, und bis zur finalen Geste alles
umkehren können.